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Angeklagt: Richard III. Unter Kissen soll man die Söhne Eduards IV. erstickt haben, eine grausige Tat. Den Kindermord schob man Richard III. in die Schuhe. Aber war er wircklich ein so bucklig böser Schurke, wie es die nachfolgenden Tudorherscher behaupten. Doch was geschah nun mit den Kindern im Tower ? In den Sommermonaten 1483 sah man sie noch im Garten spielen. aber nach und nach verlor man sie aus den Augen. Im Herbst tauchten dann die ersten Gerüchte auf, Richard, ihr Onkel, habe sie umgebracht, um selbst König werden zu können. Es schien alles zusammenzupassen: Hatte Richard nicht auch die Erzieher der Kinder, Angehörige der Familie Woodville, enthaupten lassen, um sich der Knaben bemächtigen zu können ? Der Onkel also als Thronräuber und Mörder seiner Neffen ? Richard selbst schwieg zu diesen Vorwürfen, die zunächst nur hinter vorgehaltener Hand erhoben wurden. Erst nach seinem Tod wurde ihm der Stempel des ärgsten Schurken auf dem englischen Thron aufgedruckt. Richard III. fiel 1485 im Kampf gegen Heinrich VII. Tudor. dieser Heinrich war es, der 1502, also fast 20 Jahre nach dem Geschehen, behauptete, Beweise für Richards Schuld am verschwinden der beiden Söhne Eduards IV. vorlegen zu können. Er liess folgende Geschichte verbreiten: Richard habe dem Kommandanten des Towers in einem Brief befohlen, die Kinder zu töten. Der Kommandant habe sich empört geweigert, dem Befehl zu gehorchen, habe sich aber bereit erklärt, die Schlüssel zum Tower einem gewissen James Tyrell für eine Nacht zu überlassen. In dieser Nacht seien die Kinder unter ihren Kissen erstickt und anschliessend am Fuss einer Treppe vergraben worden. Heinrichs Gewährsmann für diesen Tathergang war eben jener James Tyrell: Er war wenige Tage vor Bekanntgabe dieser Geschichte hingerichtet worden, allerdings nicht wegen der Mordtat im Tower, sondern weil er angeblich Hochverrat begangen hatte. Doch welches Interesse konnte Richard daran gehabt haben, seine Neffen umzubringen ? Sie galten, wenn die Behauptungen Stillingtons stimmten, als illegitim und nicht thronberechtigt. dennoch: sie blieben eine Gefahr für sein Königtum. Doch nicht nur Richard, auch der Herzog von Buckingham hätte Gründe gehabt, die Kinder zu beseitigen. fest steht, dass er die Königinwitwe Elisabeth bereits im Herbst 1483 vom Tod ihrer Kinder unterrichtete. woher wusste er aber, dass die Kinder nicht mehr lebten ? Hatte er möglicherweise selbst Hand dabei im Spiel gehabt und dann gezielt das Gerücht ausgestreut, Richard sei der Mörder, um die Position des Königs zu schwächen und Heinrich Tudor den Weg zur Macht zu ebnen ? Denn gegen Richard III. unterstützte Buckinham Heinrich Tudor in seinem vorhaben, den englischen Thron zu besteigen. Und welche Rolle spielte Heinrich VII. selbst ? Seit seiner Thronbesteigung 1485 waren immer wieder angebliche Prinzen aufgetaucht, die behauptet hatten, einer der beiden Söhne Eduards IV. zu sein. Um den mühsam erworbenen Frieden zu wahren und das Land nicht erneut in Thronstreitigkeiten zu stürzen, musste Heinrich daran gelegen sein zu beweisen, dass die beiden tot waren. Darum nutzte er die günstige Gelegenheit und behauptete, Tyrell habe vor seiner Hinrichtung den Mord gestanden. Doch gab es weder ein schriftliches Geständnis noch einen Beweis für diese Behauptung. |
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