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Totenschein ohne Leiche Sofort schickte Barsow nach dem Arzt, der den Totenschein ausgestellt hatte. Doch der war bereits verschwunden. als Brasov die Leichen des Ehepaars obduzieren lassen wollte, wusste angeblich niemand, wo man sie beerdigt hatte. das mysteriöse Verschwinden Dr. Rohdes liess bald die Vermutung aufkommen, er habe wahrscheinlich gewusst wohin die Deutschen das Bernsteinzimmer transportiert hätten und wo es versteckt werden sollte; vielleicht habe er sterben müssen, weil ihn deutsche Agenten in sowjetischen Diensten gesehen und gefürchtet hätten, das er das Versteck verraten könnte. Die sofort eingeleitete Suche nach dem Bernsteinzimmer in den Ruinen des Schlosses blieb erfolglos. Es fand sich nicht ein einziger Splitter davon. In und um Königsberg untersuchten die Sowjets alle möglichen Verstecke. Zugeschüttete Keller wurden freigeschaufelt, Fabrik- und Lagerhallen durchkämmt. Nichts. Vieles deutete darauf hin, dass es den Nazis gelungen war, das Kabinett aus der Stadt hinauszuschleusen. Es gab Überlegungen, das kostbare Zimmer könnte sich auf dem ehemaligen “Kraft-durch-Freude”- Schiff Wilhelm Gustloff befunden haben, als dieses in der Nacht zum 31. Januar 1945 vor Stolpmünden von einem sowjetischen U-Boot versenkt wurde. Oder war es an Bord der Robert Ley gewesen, die im März im Hamburger Hafen bei einem britischen Luftangriff völlig ausbrannte ? Die eingeleiteten Untersuchungen führten allerdings zu keinem Ergebniss. Doch auch per Lkw oder Bahn hätte man das Bernsteinkabinett aus der Stadt bringen können. So viele Lastwagen verliessen Königsberg in jenen Kriegsmonaten, warum könnten nicht ein paar davon die kostbare Ladung transportiert haben ? Aber auch hier verliefen die meisten Spuren im Sand. Grösste Verwirrung lösten 1959 die aussagen des Sohnes von Sturmbannführer Gustav Wyst aus. er berichtete sowjetischen Kunstfahndern, er habe 1948 im Keller seine Elternhauses die Meldetasche seine Vaters gefunden, in der sich rund 100 Zweitschriften von Meldungen und Befehlen befunden hätten. Er habe die Papiere damals gelesen und anschliessend verbrannt. Rudolf Wyst erinnerte sich an drei Schriftstücke, aus denen hervorging, das sein Vater den Befehl erhalten hatte, das Bernsteinzimmer aus Königsberg zu evakuieren, und zwar nach BSCH, wie in der deutschen Übersetzung des Protokolls seiner aussagen zu lesen war. Wie sich später herausstellte, hatte er B III gesagt, doch die Russen hatten auf der Schreibmaschine für die römische Ziffer III den kyrillischen Buchstaben für ”Sch” verwendet. Explosion im Schacht Dieser Fehler sollte eine ganze Generation von Bernsteinzimmersuchern in die Irre leiten. Der Deutsche Georg Stein zum Beispiel interpretierte BSCH in den 60er Jahren als Kürzel für B-Schacht. Intensive Recherchen führten ihn auf die Spur des ehemaligen Salzbergwerks von Volpriehausen bei Göttingen, das die Nazis ab Anfang 1944 als Lager für Kunstschätze verwendet hatten. Bei einer im September 1945 von der britischen Besatzungsmacht eingeleiteten Untersuchung des B-Schachts hatte man auch tatsächlich Archivalien, Bücher und sogar Teile der Bernsteinsammlung aus dem Königsberg Schloss zutage gefördert. Am 29. September 1945, die Bergungsarbeiten waren noch im Gang, hatte sich dann eine Explosion ereignet, in deren folge Wasser in den verschütteten Schacht eingedrungen war und eine weitere suche unmöglich gemacht hatte. Stein, der inzwischen verstorben ist, war überzeugt davon, dass diese Detonation Absicht gewesen war und verhindern sollte, das das Bernsteinzimmer gefunden würde. Und wenn seine Vermutung letztlich auch ein Irrtum zugrunde lag, so ist trotzdem nicht ganz auszuschliessen, dass er doch recht hatte. Der Schacht hütet heute noch sein Geheimnis. Allerdings häuften sich in den letzten Jahren die Anzeichen dafür, das der Schatz überhaupt nicht in den Westen gebracht wurde, sondern immer noch in oder bei Königsberg liegt. So versicherte der letzte Oberbürgermeister von Königsberg, Dr. Helmut Will, in den ersten Apriltagen 1945 habe sich das Bernsteinzimmer noch in den Schlossgewölben befunden. Nachdem Königsberg zur Festung erklärt und ringsum eingekesselt worden war, wäre es ohnehin unmöglich gewesen, den Schatz aus der Stadt zu transportieren. Der jüngste Hinweis darauf, dass sich das Bernsteinzimmer noch in Königsberg befinden könnte, stammt vom Herbst 1988. die sowjetische Nachrichtenagentur TASS meldete, dass die Platten wahrscheinlich im Eiskeller der früheren Ponarther Brauerei liegen. Denn Augenzeugen berichteten, dass hier Museumsgut versteckt worden sei. Nach der Kapitulation wurden die Räume nicht mehr geöffnet. Der Eingang wurde zugeschüttet. So geht die Suche auch heute noch, mehr als 60 Jahre nach dem Verschwinden weiter. Der Zugang zu den Kühlräumen der Königsberger Brauerei soll gesprengt werden. Unterdessen wird, seit mehreren Jahren schon, an einem neuen Bernsteinzimmer gearbeitet, das als originalgetreue Rekonstruktion im restaurierten Prunkschloss von Puschkin zu bewundern sein wird. Es wäre ein Treppenwitz der Weltgeschichte, fände man das echte Bernsteinzimmer einer Tages doch noch. |
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