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Im Herbst und Winter verlassen einige geheimnisvolle Transporte Königsberg. Der Inhalt der gut verpackten Kisten wird streng geheimgehalten. Was wird hier unter ungewöhnlich scharfer Bewachung aus der Stadt hinausgeschleust ? Sind es womöglich die Einzelteile des Bernsteinzimmers der Zaren, die bis zuletzt im Keller des Königsberger Schlosses eingelagert waren ? Und kamen sie jemals im noch unbesetzten Teil des Reichs an ? In jenen Monaten des Zweiten Weltkriegs verliert sich die Spur des berühmten Kabinetts. Viele haben es seither gesucht, doch bis zum heutigen Tag blieb es verschollen. 55 Soldaten für ein Zimmer Die Geschichte des Bernsteinzimmers begann schon sehr viel früher, mit einem Besuch Zar Peters des Grossen in Berlin. Er hatte im Oktober 1716 die weite Reise in die Residenzstadt unternommen, um mit dem Preussenkönig Friedrich Wilhelm I. ein Bündnis gegen den gemeinsamen Gegner Schweden zu schliessen. Bei dieser Gelegenheit zeigte ihm sein Gastgeber auch das Bernsteinkabinett im Berliner Stadtschloss, und der Zar war sofort von der Schönheit und dem “unaussprechlichen Reiz” des Festsaals hingerissen. Wände. decken und Türen waren mit Paneelen aus geschnitztem und poliertem Bernstein ausgelegt; auf Bersteinfenstebänken und Bernsteinvitrinen standen Schachfiguren, Tabaksdosen, Kästchen und andere kunstvoll gefertigte Dinge alles aus demselben kostbaren Material. Der warme, stets variierende Ton des Bernsteins verlieh dem Zimmer einen überwältigenden Glanz. Der 28 jährige Preussenherscher, der mit Kunst ohnehin nicht allzuviel im Sinn hatte, musste sich nicht lange bitten lassen, seinem russischen Gast den prunkvollen Saal zum Geschenk zu machen. Von der Gegenleistung des Zaren war Friedrich Wilhelm begeistert: Peter der Grosse schickte ihm gleich nach der Rückkehr in seine Heimat 55 Riesenrekruten für des Königs Garderegiment der “Langen Kerls”. Keiner der Russen war kleiner als zwei Meter. So gelangte das Zimmer also sorgfältig in mehrere Kisten verpackt nach Petersburg und rund 40 Jahre später nach Zarskoje Selo in den Sommerpalast der Zarin Elisabeth, den heutigen Katherinenpalast. Dort wurde es zu einem Festsaal zusammengebaut, der sechsmal grösser war als das Original und dieses an Pracht und Glanz bei weitem übertraf. 24 Spiegel und Parkettfussboden mit Perlmuttintarsien waren dazugekommen. 185 Jahre lang blieb diese Schönheit unberührt. Dann brach der Zweite Weltkrieg aus. Deutsche Truppen marschierten in Russland ein, und im August 1941 erreichten sie die Vororte Leningrads. |
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