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Dunkel ist der Worte Sinn

1555 gab Nostradamus das erste der insgesamt zehn kleinen Bücher heraus, die jeweils 100 Weissagungen enthielten. Wer die Verse im Original oder in einer Übersetzung liest, hatte Mühe, sie zu verstehen: Der Stil ist verschnörkelt, der Inhalt verschlüsselt, und es wimmelt von Gleichnissen, Andeutungen, Wortspielen und Umschreibungen, die die Aussage eher verschleiern als erhellen. Nostradamus selbst sagte dazu, er habe “absichtlich eine geheimnisvolle Ausdrucksweise “gewählt um sich “törichte Kritiker” wie “Astrologen, Dumme und Ungebildete fernzuhalten”. Diese bewusst dunkle gehaltene Sprache ermöglicht es, eine Fülle von Deutungen in den Vers hineinzulegen-mit dem Ergebnis, das es bis heute rund 400 Interpretationen der Weissagungen des Nostradamus gibt. Doch nicht nur bei Vorausagungen, die immer noch in der Zukunft liegende Ereignisse behandeln, stösst man auf unterschiedliche Deutungen; auch Verse, die sich auf inzwischen historisch gewordene Ereignisse, also auf Begebenheiten aus der Zeit zwischen dem 16. Jahrhundert und heute beziehen werden höchst unterschiedlich interpretiert. Es drängt sich daher die Frage auf, ob Nostradamus wirklich der grosse Seher war, für den ihn viele halten, oder nur ein geschickte Gaukler, dem es gefiel, die Menschen an der Nase herumzuführen. Dennoch: zumindest im Vatikan nahm man ihn so ernst, dass man 1781 seine Schriften auf den Index der verbotenen Bücher setzte, weil einige Interpreten aus den Weissagungen den Untergang des Papsttums herausgelesen hatten.

Die Eintrittskarte zum Hof

Ebenfalls davon überzeugt, dass Nostradamus “ in den Sternen lese “könne, war Katherina von Medici, die Gemahlin Heinrichs II. Als sich dann die Voraussage vom Tod des “alten Löwen” bewahrheitete, war ihr Glaube an die prophetischen Gaben des Arztes nicht mehr zu erschüttern. 1560 empfing sie ihn in ihrem Schloss Chaumont-sur-Loire; später besuchte sie ihn in Salon. Und sicherlich hatte es Nostradamus auch ihrer Fürsprache zu verdanken, das ihn Karl IX., Katherinas Sohn, zum Leibarzt ernannte. So hatte ihm die Astrologie die Türen bei Hof geöffnet und brachte ihm nun Ehre und Ruhm sowie manchen finanziellen Vorteil ein. wen wundert es, dass er sich verstärkt seinen seherischen Neigungen hingab.

 

Prophezeite Wirklichkeit

So dunkel die Weissagungen des Nostradamus auch klingen, so überraschend ist es doch, immer wieder festzustellen, wie viele bedeutende Ereignisse der vergangenen 400 Jahre man in seinen Büchern vorausgesagt finden kann: Der grosse Brand von London 1666 fehlt ebensowenig wie der Aufstieg und Fall Napoleons; Hitler - bei Nostradamus Hister genannt -, Franco und den Zweiten Weltkrieg hat Nostradamus angekündigt, und selbst die Atombomben über Hiroschima und Nagasaki, “zwei Geisseln, dergleichen man nie gesehen hat”, prophezeite er. Doch nicht nur die grossen Ereignisse der Weltgeschichte, auch die näheren Umstände seines eigenen Todes sah er voraus: Nicht auf dem Scheiterhaufen der Inquisition, sondern “nahe bei Bank und Bett wird man mich tot auffinden”. Und in der Tat: Als er am 2. Juli 1566 starb, war er allein in seinem Zimmer; er lag in der Nàhe seine Schreibpults. Seiner Familie hinterliess er ein Vermögen und der Welt ein Werk, das ihn zu einem der berühmtesten Propheten der Neuzeit machte

 

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