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In der Arktis verschollen

Im Mai 1845 macht sich Sir John Franklin auf die Suche nach der Nordwestpassage im Norden Kanadas. Fast anderthalb Jarhunderte später finden Wissenschaftler auf der Insel Beechey die konservierten Leichen dreier Expeditionsmitglieder.

Im Jahre 1984 öffnen Wissenschaftler auf der kanadischen Arktisinsel  Beechey in der Barrowstrasse im Norden von Ostkanada zunächst zwei von drei Gräbern, die bereits 1815 von einer Expedtion entdeckt worden sind. was sie erblicken, lässt ihnen den Atem stocken: In dem eisigen boden, der nie von der Sonne aufgetaut wird, liegen die völlig erhaltenen Leichen von zwei jungen Männern. die beiden sind 1846 gestorben; sie gehörten zur mannschaft der Schiff Erebus und Terror, die einst unter dem Kommando von Sir John Franklin hierherkamen. 1845 war Franklins Expediztion in England aufgebrochen, um in den Gewässern des Nordpolameeres die schon lange gesuchte Nordwestpassage zu finden: den Seeweg entlang der kanadische Nordküste, der den Atlantik mit dem Pazifik verbindet. Die beiden 138 Jahe lang konservierten Toten sowie ein Dritter, den man 1986 exhumiert, sind die einzigen Teilnehmer dieser For^schungsreise, die man je gefunden hat und identifizieren konnte

John Torrington

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Wo ist die Passage ?

Im Jahr 1844 hatte die britische Admiralität die Expedition ausgerüsstet. Sie sollte endlich eine Frage klären, um deren Beantwortung die Engländer sich 350 Jahre vergeblich bemüht hatten: Besteht eine Möglichkeit, den nordamerikanischen Kontinent im Norden zu umfahren und damit einen neuen Handelsweg von Ost nach West zu eröffnen ? Damals konnte man über Amerika hinaus nach Westen, also vom Atlantik in den Pazifik, nur gelangen, indem man das gefährliche Kap Horn umrundete. War es da nicht vorteilhafter, räumlich und zeitlich, sich im Norden einen Weg zur Beringstrasse zu bahnen ? Diese Idee beherrschte die Engländer bereits seit dem Ende des 15. Jahrhunderts. Damals, im Jahr 1497, Fuhr John Cabot, ein gebürtiger Genuese, der eigentlich Giovanni Caboto hiess, über den Atlantik und erreichte wahrscheinlich Labrador, das es übrigens für “Cathay” für Indien hielt. andere folgten, unter ihnen auch Franzosen und Niederländer. Sie wollten eine nördliche Durchfahrt nach Westen. Henry Hudson, William Baffin und mancher weitere schrieben ihre Namen in die Landkarte ein, aber keiner kam bis auf die Westseite des Kontinents. Immerhin gelangte William Edward Parry 1820 von Osten her bis zur Insel Melville und hatte damit den Sieg fast vor Augen. Nun also, 1844, wollte man erneut versuchen, die Nordwestpassage zu erschliessn. Bei dieser Gelegenheit sollten auch unbekannte Gebiete vermessen und kartographiert werden. Wer aber sollte die Expedition führen ? Sir John Franklin bot sich an. die Lords der Admiralität zögerten. sie zweifelten nicht an Franklins Befähigung, an seinem Mut, seiner Ausdauer und seiner Kenntnis des Polargebietes; diese Charaktereigenschaften und Erfahrungen waren allgemein bekannt. Aber das Alter des hochdekorierten Marineoffiziers machte bedenklich: schon 59 Jahre ! “ Nein, nein, meine Herren”, korrigierte Franklin kühl, “ ich bin erst 58.” Er erhielt das Kommando. Franklins Heimat war die Marine. Von Kindheit an wollte der am 16. April 1786 geborene John zur See fahren. Schon mit 14 Jahren trat er in die Marine ein, und als Neunzehnjähriger nahm er an der Schlacht bei Trafalgar teil. 1818 lernte er als Mitglied einer Expedition nach Spitzbergen erstmals das arktische Eis kennen. dieses Erlebnis prägte sein weiteres Leben, von nun an war er davon besessen, die kanadische Arktis zu erforschen. 1819 ging Franklin daran, im Auftrag der Admiralität auf dem Landweg die Nordküste des amerikanischen Kontinents östlich der Mündung des Flusses Coppermine zu vermessen. Nach dreieinhalb Jahren voller Entbehrungen und unsäglicher Strapazen kehrte er, nur knapp dem Tod entronnen, zurück. 1825 brach er erneut ins ewige Eis auf. Diesmal fuhr er den McKenzie hinab und erforschte dann den westliche Teil der Nordküste Nordamerikas bis Beechey Point. Die nächsten Jahre sahen Franklin als Marineoffizier im Pazifik. Seine kartographisch Vermessung von hundertten von Kilometern arktischer Küstenstriche sowie seine Berichte über das leben der Indianer und Eskimo hatten inzwischen in seinem Mutterland grossen Widerhall gefunden. 1829 wurde Franklin gadelt und später bestellte man ihn zum Gouverneur des heutigen Tasmaniens.

 

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