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Michel de Notredame (Nostradamus) Eigentlich heisst er Michel de Notredame, doch die Welt kennt ihn nur als Nostradamus. Seine Weissagungen werden von einigen bewundert, von anderen belächelt. Viele halten ihn für den grössten Seher aller Zeiten, ebenso viele für einen Erzgaukler. Der junge Löwe wird den alten Löwen überwinden auf kriegerischem Feld im Einzelkampf. Er wird seine Augen in ihrem goldenen Käfig durchbohren. Zwei wunden in einer, stirbt er dann einen grausamen Tod. Mit diesen Worten beschreibt Nostradamus 1556 bei einer Audienz am Königshof in Paris das Ende Heinrichs II. von Frankreich. Noch lebt der König; doch drei Jahre später, 1559, soll sich diese Prophezeiung erfüllen: Bei einem Turnier streitet Heinrich II. gegen eine jungen Offizier seiner Leibgarde. Das Unglück will es, dass die Lanze des Offiziers das Visier des goldglänzenden königlichen Helms durchbohrt und Heinrich am Auge und am Hals verletzt. Zehn Tage später ist der König tot. Der Mann, der das Ereignis weissagte, wird über Nacht in ganz Europa berühmt. Zu diesem Zeitpunkt ist er 55 Jahre alt und hat bereits eine erfolgreiche Karriere als Arzt hinter sich. Doch als Prophet soll er der Nachwelt im Gedächtnis bleiben. Begonnen hatte das Leben des Michel de Notredame am 14. Dezember 1503 in Saint-Rémy-de-Provence in Südfrankreich. Sein Vater, ein Notar und ursprünglich jüdischen Glaubens, war schon vor der Geburt des Sohnes zum Katholizismus übergetreten, um den Judenverfolgungen zu entgehen. Wie sein Grossvater väterlicherseits wollte der junge Michel Arzt werden. Darum ging er nach Montpellier, um dort an der Universität Medizin zu studieren . Im Kampf gegen den Schwarzen Tod Als 1525 in Südfrankreich die Pest wütete, unterbrach Nostradamus, wie er sich jetzt nannte, sein Studium und bemühte sich vier Jahre lang, seinen an der Pest erkrankten Landsleuten zu helfen. Tausende wurden von der Seuche dahingerafft, er selbst blieb verschont. 1529 nahm er sein Studium wieder auf, bestand seine Prüfungen mit Auszeichnung und liess sich schliesslich 1533 in Agen an der Garonne als Arzt nieder. Er heiratete eine “aussergewöhnliche liebliche Frau”, die ihm einen Sohn und eine Tochter schenkte-doch dieses Glück währte nicht lange: Der Tod raubte ihm seine Familie. Nostradamus verliess Agen und zog zehn Jahre lang durch Frankreich und Italien. Er betreute Pestkranke, aber auch andere Patienten und erwarb sich den ruf eines Wunderheilers. 1547 heiratete er zum zweitenmal, diesmal eine reiche Witwe; mit ihr und den sechs Kindern, die aus dieser Verbindung hervorgingen, lebte er von nun an in Salon-de-Provence Offenbarungen in der Dachkammer Salon ist heute eine Kleinstadt mit etwa 36000 Einwohnern. Noch immer kann man hier das Haus besichtigen, in dem der Arzt damals wohnte. Unter dem Dach hatte er sich eine Kammer zu einem Observatorium ausgebaut. In klaren Nächten stieg er dort hinauf, liess sich auf einem dreibeinigen Schemel nieder, versetzte sich mit Hilfe einers Kräutersuds in Trance- und befragte die Sterne. In diesen Nächten empfing er angeblich “das innere Licht, die Stimme”, die ihm die Zukunft enthüllte. Diese Offenbarungen hielt Nostradamus in greimten Vierzeilern fest, jedoch nicht in Latein, der Sprache der Gelehrten, sondern in Französisch. Seine Kritiker warfen ihm deswegen Effekthascherei vor; er habe durch die volkstümliche Sprache eine besonders grosse Leserschaft gewinnen wollen. Dagegen spricht, das Nostradamus zunächst nicht die Absicht hatte, seine Weissagungen allgemein bekannt zu machen, weil er die Inquisition fürchtete; denn auch der Umgang mit übersinnlichen Mächten galt damals als Ketzerei. Erst nachdem er schon Hundert von Weissagungen niedergeschrieben hatte, entschloss er sich, sie doch zu veröffentlichen |
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